Meine 10 Jahre mit Astrid

oder

Die Jahre des Elchs

Ich habe Astrid verloren. Es gab nichts, das wir tun konnten, um das Ende abzuwenden. Im Moment sind bei mir Trauer, manchmal Verzweiflung und manchmal auch Wut die vorherrschenden Gefühle. Aber ich beginne auch zu begreifen, dass ich dankbar sein darf, Astrid gekannt zu haben und 10 Jahre mit ihr zusammen zu leben. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an diese Jahre, was mich ein wenig tröstet - um wie viel schlimmer wäre es, wenn ich nicht recht wüsste, was wir in diesen Jahren Schönes gemeinsam erlebt haben. Diese Erinnerungen sind mir wichtig, aber ich habe Angst, dass sie mir mit der Zeit verblassen. Deshalb beginne ich jetzt, sieben Wochen nach ihrem Tod, damit, die Erinnerungen ausführlich aufzuschreiben, um sie so festzuhalten. Ich hoffe, Ihr erkennt Astrid in diesen Beschreibungen wieder, vielleicht entdeckt ihr aber auch Facetten von ihr, die Ihr so noch nicht kanntet. Also .....:

Von kleinen Elchen und Bären

Ich habe dem Bericht die Zweit-Überschrift "Die Jahre des Elchs" verpasst. Wer in den letzten Jahren bei uns in der Wohnung war, wird ahnen, warum. Wir hatten all die Jahre eine intensive Beziehung zu diesen Viechern. Es fing mit einem kleinen, ziemlich frechen Exemplar an, das wir bereits in unserem ersten Jahr bei IKEA gekauft haben. Der Kleine wurde ziemlich schnell zu unserem Reise-Begleiter, er war auf fast allen Reisen mit dabei (es gibt diverse Beweisfotos) und entwickelte schnell einen eigenen Charakter. Es blieb nie ein Name an ihm heften, wir versuchten es mit "Paul", später mit "Hamlet" - zwecklos, letztlich blieb es immer einfach "Elchi". Im Laufe der Zeit bekam er einige Plüsch-Gesellschaft, vor allem aber zwei Geschwister, erst Gosse, einen kleinen Bären (ebenfalls von IKEA), der (umgeben von so vielen Elchen) einen leichten Hang zu Minderwertigkeitskomplexen entwickelte, später Sahib, wie Elchi ein kleiner IKEA-Elch, den wir vom Flohmarkt gerettet haben und der ein ziemlicher Schönling ist (deshalb heißt er manchmal auch einfach nur "Beau"). Elchi musste mit der Zeit lernen, dass er und seine Brüder abwechselnd mit auf Reisen durften (..... obwohl: ziemlich oft durften auch alle drei mit) und auch immer nur einer mit ins Bett durfte (einer von uns hat jeden Abend die sog. "Auswechslung" vorgenommen, die anderen beiden mussten aufs Sofa). Wer Astrid als ruhige, eher ernste und zurückhaltende Frau kennen gelernt hat, dem sei versichert: Sie konnte herrlich albern sein, gerade im Spiel mit unseren drei Plüschies sind da wohl zwei manchmal recht infantile Naturen aufeinander getroffen. Ich habe öfters daran gedacht, dass ein Psychologe wohl seine helle Freude an der Untersuchung unserer Beziehung zu Plüsch-Elchen und -Bären gehabt hätte, aber was soll's. Und ich glaube fest, dass es für Astrid in den Jahren ihrer Krankheit und bei all ihren Problemen wichtig war, albern und ausgelassen sein zu können. Die Plüschies waren irgendwie ein geeignetes Mittel dafür. Und da wir zu den Dreien eine so intensive Beziehung hatten, sind sie für mich ein Stück Astrid, das bei mir geblieben ist. Ich werde sie auf alle Fälle behalten und pflegen - und vielleicht dürfen sie sogar weiter mit auf Reisen.

Plüsch-Beweisbilder:
Astrid mit Elchi nach der großen Reise 1995, Elchi auf Bornholm (2003), Gruppenbild mit Dame, Elchi im Kanu in Slowenien (2002), Elchi am Millstädter See (2002)

Unsere Urlaube

Ja, da wären wir bei unseren Reisen. Das ist auch irgendwie das Erste, was mir einfällt, wenn ich versuche, meine Erinnerungen an Astrid aufzurufen und festzuhalten. Unsere Urlaube waren uns immer wichtig, wir hatten immer sehr viel Spaß an diesen Reisen. Mit Astrid konnte man wunderbar verreisen. Sie hatte Spaß daran, sich Städte und Landschaften anzuschauen, konnte aber auch prima einfach mal 2-3 Tage am Stück am Strand liegen und lesen. Und natürlich sind wir in den Urlauben auch gerne und oft Essen gegangen (zum Thema "Essen" kommt unten noch mehr).

Zunächst fallen mir unsere großen Reisen ein (die "Haupturlaube"), die wir in den 10 Jahren gemacht haben. Was haben wir alles gesehen?

1995 haben wir 5 Wochen Insel-Hopping über die Kykladen gemacht. Dies ist der Urlaub, der mir immer am stärksten in Erinnerung geblieben ist: Vielleicht, weil es unser erster gemeinsamer längerer Urlaub war, vielleicht auch, weil wir da noch ziemlich frisch verliebt waren, vielleicht, weil es der längste Urlaub war, den ich je gemacht habe. Ich erinnere mich an unzählige Moussaka-Essen (wir waren noch Studenten und das war überall das Billigste), Vespa-Touren zur Erkundung der Inseln, Cocktails auf Mykonos und Naxos, Überfahrten auf z.T. völlig überfüllten griechischen Fähren, kleine weiß gekalkte Dörfer, die in einem starken Kontrast zum dunkelblauen Meer und Himmel standen, und immer wieder Stops in Tavernen, um etwas Tsatsiki, griechischen Salat oder Schafskäse zu naschen. Es waren uneingeschränkt glückliche Wochen und wir hatten all die Jahre immer mal wieder erwogen, noch einmal auf eine dieser Inseln zu fahren. Für mich werden die Kykladen immer mit Astrid verbunden sein. Ich kann mir nicht vorstellen, Sie noch einmal und ohne sie zu besuchen.

In den kommenden beiden Jahren haben wir erneut Griechenland-Urlaube gemacht, 1996 waren wir vier Wochen kreuz und quer durch Kreta gereist, 1997 waren wir für drei Wochen auf Rhodos und Karpathos. An den Kreta-Urlaub habe ich, obwohl er doch schon recht lange er ist, noch recht intensive Erinnerungen: Auch hier haben wir uns öfter eine Vespa gemietet (je weiter man von den Haupt-Touristen-Orten wegkam, desto abenteuerlicher wurden die Fahrzeuge), natürlich immer wieder Tavernen-Stopps eingelegt, wir haben uns Rethymnon und Chania angesehen, einige Wanderungen (bei sengender Hitze) gemacht, aber auch einige Tage einfach faul am Strand gelegen. Ich erinnere mich, dass wir irgendwann im kleinen Ort Castelli gelandet sind, in einer Pension direkt am Strand. Dies war ein toller Ort: Noch weitgehend unentdeckt vom großen Tourismus, ruhig, ein schöner Strand. Hier konnten wir so richtig ausspannen. Es war ein schöner Urlaub, ich erinnere mich aber auch, dass Astrid in den ersten 2-3 Tagen mit Depressionen zu kämpfen hatte (was ich an ihr vorher nicht kannte und was sie seitdem auch nie wieder hatte) und es ihr nicht gut ging. Ich weiß bis heute nicht, was damals eigentlich los war. Ich vermute, sie hat viel an ihre Schwester Christiane gedacht, die im Sommer 1994 gestorben ist und an der sie, glaube ich, sehr gehangen hat. Vielleicht war da nicht aufbereitete Trauer. Ich werde es nie erfahren, was da los war, leider konnte sie es mir nie erzählen und ich war leider auch nicht in der Lage, darauf richtig einzugehen.

An den Rhodos-/Karpathos-Urlaub sind meine Erinnerungen nicht mehr so klar, ich vermute, weil die Inseln im Vergleich zu den Kykladen und Kreta eigentlich eher uninteressant sind. Nichts desto trotz war es ein schöner Urlaub, ich erinnere mich an viele Swordfish-Souvlakis und Ausflüge mit Judit und Lars, mit denen wir uns in dem Urlaub angefreundet haben (... und die wir leider 2-3 Jahre später wieder aus den Augen verloren haben). Ich erinnere mich an die Überfahrt nach Karpathos, wo wir irgendwann mitten in der Nacht angekommen sind. Normalerweise stehen an den Fähranlegern immer Leute, die Werbung für ihre Zimmer machen und versuchen, Touristen dorthin abzuschleppen. Hier: Fehlanzeige, wir haben uns die Nacht über auf die Stühle einer (natürlich längst geschlossenen) Strandtaverne gesetzt und (vergeblich) versucht, dort ein wenig zu schlafen. Wir haben dabei einen netten und großen Straßenköter kennen gelernt, den wir Bogumil getauft haben und den wir später ab und an bei Tavernen wieder getroffen (und gefüttert) haben.

1998 waren wir dann an der Mecklenburger Seenplatte und auf Rügen (je 1 Woche), sicher einer unserer schönsten Urlaube. Wir haben mit einem alternativ angehauchten Reiseveranstalter eine einwöchige Kanutour über die Mecklenburger Seenplatte gemacht (Ausgangs- und Zielort war Fürstenberg). Diese Woche war nicht nur ein (für Städter wie uns) intensives Naturerlebnis, sondern hat uns auch ein neues Hobby beschert: Seit 1998 haben wir jedes Jahr mindestens eine Kanutour gemacht. Astrid war eine sehr begabte Steuerfrau, mit der man prima paddeln gehen konnte. Ich erinnere mich, dass wir einmal über einen See gepaddelt sind, der strengste Naturschutz-Zone war, auf dem keine Motorboote erlaubt waren und dessen Ufer ringsum unbebaut und mit dichtem Schilf umgeben war. Unsere Gruppe (15 - 20 Mann) waren die einzigen Menschen auf diesem See. Ich erinnere mich, dass auf einem mal alle ruhig waren und minutenlang einfach die Stille genossen (das einzige Geräusch waren die einstechenden Paddel) und die Natur bewundert haben. Wir haben dort auch eine Wasserschlange gesehen - eigentlich nicht bemerkenswert, aber diese Szene ist uns beiden in Erinnerung geblieben. Astrid hat Jahre später im Rahmen einer Therapie ein Bild über diesen Moment geschrieben - inklusive Wasserschlange, die ihr also auch in Erinnerung geblieben war.

Astrids Kanubild:
Man beachte die kleine Wasserschlange

1999 haben wir meine Schwester Annette und ihre Familie auf Mallorca besucht, die dort eine tolle Finca in der Nähe von Santanyi gebucht hatte, auf der auch für uns noch Platz war. Ich erinnere mich, dass Astrid dort erstmals einen Tennisschläger in die Hand genommen hat - und auf Anhieb mit uns spielen konnte. Astrid war sehr sportlich und hatte vor allem ein tolles Ballgefühl. Wenn sie als Kind mit Tennis angefangen hätte, dann hätte sich Steffi Graf aber warm anziehen müssen .... Obwohl Astrid nach dem Urlaub sogar einen Tenniskurs bei Uni-Sport gemacht hat, ist dieses Hobby leider bald wieder eingeschlafen. Ich erinnere mich außerdem an ein Essen, das wir uns im Nobel-Restaurant "Es Clos" gegönnt haben - es muss wohl toll gewesen sein, aber leider hatte ich mir tagsüber bei der Beachvolleyball-EM, die wir besucht hatten, einen schönen Sonnenstich eingefangen und mir war einfach nur schlecht (und es wurde mit jedem Gang schlimmer). Mallorca hat uns gut gefallen. Wir waren dort insgesamt drei mal gewesen (außer dem 99er-Urlaub noch zwei mal für je eine Woche). Ich erinnere mich, wie gut Astrid die Märkte gefallen haben (z.B. in Felanitx), die kleinen Badebuchten (z.B. die Cala Llombards), die Cafés in Cala Figuera (wo wir gerne - mit Blick aufs Meer - ein paar Tapas gegessen haben) und die schönen Restaurants (z.B. das "Es Moli" in Santanyi). In Erinnerung ist mir auch die Fahrt mit dem "roten Blitz" von Palma nach Soller, ein betagter Bummelzug, der durch Obstgärten und schöne Landschaften fährt. Neben Texel war Mallorca sicherlich so etwas wie Astrids Lieblingsinsel - überhaupt ist Astrid immer am liebsten auf Inseln gefahren. Sie fand, dass diese immer eine ganz eigene Atmosphäre haben.

Nichts desto trotz: 2000 waren wir dann einmal nicht auf einer Insel, sondern haben uns die Südhälfte von Portugal vorgenommen, insbesondere die Algarve. Ich erinnere mich, dass wir uns unzählige alte Burgen angeschaut haben, die entlang des Weges lagen - sicherlich ein paar zu viele, irgendwann hat Astrid gestreikt und konnte keine Burgen mehr sehen. Ich erinnere mich an einen Abend in Lissabon, an dem wir aus Versehen in einem Schwulen-Restaurant gelandet sind - das war super lecker und das mit Abstand beste Essen, das wir in Portugal gefunden hatten. Außerdem weiß ich seitdem, dass ich in der Szene gute Chancen hätte (Modell "Teddy"). Ich erinnere mich auch, dass wir in Carvoeiro einen Plätzchen gefunden hatten, dass uns so gut gefallen hat, dass wir im nächsten Jahr noch einmal für eine Woche hin sind, um einmal richtig auszuschlafen und auszuspannen.

In 2001 waren wir dann für zwei Wochen auf La Palma - der letzte Urlaub vor der Krankheit. Rückblickend hat Astrid erkannt, dass sie da schon angeschlagen war und dass ihr deshalb einige unserer Wanderungen schwer gefallen sind. Aber wir haben dort ohne Zweifel sehr schöne Wanderungen gemacht. Ich erinnere mich an eine Wanderung durch ein Vulkangebiet, die am Meer an einer Bretterbude endete, an der es die absolut göttlichsten Fischkroketten gab - lecker! Und ich erinnere mich noch gut an den Rückweg: Wir sind in derart heftigen Nebel gekommen, dass wir es am Ende wirklich ein wenig mit der Angst zu tun bekamen - wir haben kaum die Hand vor den Augen gesehen und einige Zeit wirklich geglaubt, wir hätten uns total verirrt und würden unseren Ausgangspunkt nicht mehr finden. Überhaupt der Nebel: Eine andere Wanderung haben wir nach einer guten Stunde abgebrochen, weil die Suppe um uns herum immer dicker wurde und es in den Bergen auch ganz schön kalt werden konnte. Andere Wanderungen hingegen haben uns phantastische Aussichten beschert. Wir waren auf La Palma aber nicht nur wandern, sondern haben auch einige Tage am (schwarzen) Sandstrand gelegen und gemütlich vor uns hin gefaulenzt - auch etwas, das man mit Astrid super konnte (natürlich hat sie Wert darauf gelegt, dass das immer mal wieder durch einen Kaffee oder ein paar Tapas unterbrochen wird).

In 2002 haben wir dann einen dreigeteilten Sommerurlaub gehabt: Wir waren zunächst eine Woche mit meiner Familie (8 Erwachsene, 7 Kinder) am Millstädter See gewesen, anschließend sind wir eine Woche durch Slowenien gekurvt und die Krönung des Ganzen war dann eine Woche in der Toskana. Sowohl auf dem Millstädter See als auch in Slowenien (Wocheiner See) waren wir einige Stunden mit dem Kanu unterwegs gewesen. Am intensivsten von diesen Wochen sind mir jedoch die Tage in der Toskana in Erinnerung. Ich erinnere mich an einen wunderschönen Tag, an dem wir kreuz und quer durch das Chianti-Gebiet gefahren sind, z.T. über abenteuerliche Pisten und bis hinein in entlegendste Dörfer, zwei mal unterbrochen durch Weinproben und Weinkäufe und musikalisch untermalt durch eine Café del Mar-CD - der perfekte Soundtrack für so eine Tour. Ich erinnere mich außerdem an einen tollen Delikatessen-Laden in Voltera, in dem Astrid sicherlich den halben Urlaub hätte verbringen können. Und schließlich erinnere ich mich an zwei gute Essen in einem Gartenlokal in Colle di Val d'Elsa, in dem wir einen tollen Ausblick über die Hügel rings herum hatten.

In 2003 waren wir dann für zwei Wochen auf Bornholm gewesen. Zum einen, weil ich dort schon lange mal wieder hin wollte (Bornholm ist für mich eine Kindheitserinnerung), zum anderen hatten wir aber ein anderes Projekt vor, das sich in Dänemark leichter verwirklichen ließ als bei uns: Heiraten. Eigentlich hatte mir Astrid dieses Thema schon vor mehreren Jahren ausgeredet. Zum einen fand sie, dass sich dadurch für uns nichts ändern würde (da hatte sie recht), zum anderen konnte sie sich nie vorstellen, wie ein so großes Fest so funktionieren könnte, dass es zum einen etwas mit uns zu tun hätte, zum anderen aber auch keiner aus der Familie darüber meckern würde oder beleidigt wäre. Astrids Krankheit hat diese Einschätzung aber verändert. Wir hatten beide unsere Gründe, warum wir diese Hochzeit wollten: Mir war es wichtig, für Astrid entscheiden zu können, wenn es einmal hart auf hart gekommen wäre und Astrid nicht mehr bei Bewusstsein oder Kräften gewesen wäre, um Entscheidungen zu treffen - als Freund hat man da ja gar keine Rechte. Gott sei Dank ist uns eine solche Situation erspart blieben. Astrid war es wichtig, eine Absicherung zu haben. Wäre sie arbeitsunfähig geworden, hätte sie von Sozialhilfe gelebt. Für eine nennenswerte Rente hatte sie noch nicht lange genug gearbeitet und in die Rentenkassen eingezahlt. Ja, und so kam er, der 15.09.2003: Wir fuhren nach Rønne zum Standesamt. Da wir alleine waren (niemand von unserer Familie oder aus dem Freundeskreis wusste von der Hochzeit), mussten wir zwei Trauzeuginnen vom Standesamt stellen lassen. Ich erinnere mich an eine freundliche Ansprache der Standesbeamtin und daran, dass wir im Anschluss an die Trauung vom Standesamt noch auf ein Glas Wein eingeladen worden sind. Ich erinnere mich, dass wir uns im Anschluss an die Trauung einen richtig schönen Tag (bei strahlendem Sonnenschein) gemacht haben: Wir haben im Café Gustav in Rønne einen Imbiss genommen, sind zum Jons-Kapel-Felsen herunter gekraxelt, haben ein wenig in Allinge-Sandvig eingekauft, haben in Sandvig in Ella's Konditori gesessen und Torte gegessen, haben uns an der Ostküste Stammershalle und den Wasserfall bei Døndalen angeschaut und sind schließlich in Neksø gelandet, wo wir im Restaurant Tre Søstre unsere Hochzeit gefeiert und auf uns angestoßen haben. Das war ein leckeres Fischessen, nur leider waren wir die einzigen Gäste, die Saison war schon so gut wie vorbei. Auch wenn uns die Hochzeit nicht so wichtig gewesen ist wie anderen Paaren: Der 15.09.2003 wird mir als wunderschöner und intensiver Tag immer in Erinnerung bleiben.

Bilder vom 15.09.2003:
Im Standesamt und Nachmittags bei Café und Kuchen in Ella' s Konditori

Natürlich bleiben von Bornholm noch andere Erinnerungen: Unsere Golf-Partien auf dem "Golf für alle"-Platz in Rø (wir hatten damals gerade erst mit Golf angefangen, hatten noch keine Platzreife und durften daher nicht auf die großen Plätze), das urige Pizzaessen in Sørens Værtshus, die Glasbläser in Svaneke, denen man bei der Arbeit zuschauen konnte, die Besichtigung der Burg Hammershus, in der wir viele schöne Fotos gemacht haben und unser Abschiedsessen in der Lille Havfrue in Snogebæk.

In 2004 sind wir für 14 Tage an die Mecklenburger Seenplatte gefahren und haben uns eine Wohnung am Ufer des Malchower Sees gemietet. Nach dem 98er-Urlaub, der uns beeindruckt hat, hatten wir immer mal wieder vorgehabt, noch einmal an die Seenplatte zu fahren. Wir sind dann auch viel Kanu gefahren, vor allem in der Nähe von Malchow. Wir hatten für eine komplette Woche ein Kanu gemietet, hatten sogar einen eigenen kleinen Anlegesteg an der Ferienwohnung. Ich erinnere mich gut an zwei größere Kanutouren: An einem Tag sind wir über den Malchower See, den Fleesensee und den Kölpinsee in den Jabelschen See gefahren. Das war schon eine ordentliche Tour, zumal wir auf der Rückfahrt starken Gegenwind hatten - was gerade auf den großen Seen sehr anstrengend sein kann. Ich weiß noch, dass es mir endlos vorkam, bis wir im Flesensee endlich wieder in Ufernähe waren. Astrid hatte bei dieser Tour überhaupt keine konditionellen Probleme - erstaunlich, wenn man bedenkt, dass dies letztlich schon ihr letzter Sommer war. Die zweite Kanutour, die ich noch vor Augen habe: Wir sind noch einmal die Schwanen-Havel entlang gefahren, die uns noch von 1998 her in intensiver Erinnerung war, eine Strecke, die teilweise sehr schmal ist und auf beiden Seiten dicht bewachsen und vollkommen unbesiedelt ist. Teilweise liegen umgeknickte oder verwachsene Bäume quer über dem Wasser, so dass man sich bücken muss, um darunter her zu fahren - eine Traumstrecke, ich habe bis heute keine schönere Tour gefunden. Neben den Kanutouren haben wir in MeckPom ein wenig Golf gespielt (ab Frühjahr 2004 hatten wir beide auch die Platzreife), haben aber auch viel und ausgiebig gefaulenzt. Das Wetter war uns nicht unbedingt gnädig, aber das haben wir gar nicht so sehr registriert, da wir uns auch in der Wohnung und in Cafés sehr wohl gefühlt haben - und außerdem war ja die Fußball-EM, die Astrid begeistert verfolgt hat.

In all den Jahren haben wir neben den hier aufgeführten Haupturlauben zahlreiche kleinere Urlaube gemacht, die eine Woche oder kürzer gedauert haben:

Sport

Volleyball war über viele Jahre hinweg unsere Haupt-Sportart. Angefangen hat das mit Uni-Sport, wo wir 1-2 mal die Woche hingegangen sind (legendär: Werners Aufwärmprogramm, das jedes mal endete mit "So, und zum Abschluss noch ein paar Hampelmänner!") . Aus dieser Gruppe hat sich dann nach und nach ein Grüppchen heraus gebildet, dass sich - zwar in wechselnder Besetzung, aber doch mit einem harten Kern - regelmäßig auf der Wiese beim Decksteiner Weiher (Köln) zum Spielen getroffen hat. Es hat sich dann schon bald so ergeben, dass wir oft nicht nur Volleyball gespielt haben, sondern im Anschluss noch gegrillt haben. Zumindest hatte immer einer ein paar Flaschen Bier oder Wein dabei und wir haben oft bis in die Dunkelheit hinein auf der Wiese zusammen gesessen, getrunken und geklönt. Unsere Volleyball-Jahre waren eine schöne Zeit, ich habe es sehr bedauert, dass viele Kontakte nach und nach eingeschlafen sind. In den drei Jahren ihrer Krankheit konnte Astrid leider kein Volleyball mehr spielen. Aufgrund der Entfernung von Lymphknoten in der rechten Achsel bestand bei ihr immer die Gefahr, dass ein Lymph-Ödem entsteht, wenn der Arm zu sehr beansprucht wird. Ich habe selber noch einmal einen Anlauf unternommen, in einer anderen Gruppe zu spielen, aber ohne Astrid hat das nicht halb so viel Spaß gemacht.

Irgendwann hatten wir auch angefangen, Badminton zu spielen. Weil ich früher Tennis gespielt habe, hatte ich hier einen Start-Vorteil, aber Astrid hat beängstigend schnell aufgeholt. Sie hat ein paar fiese Schläge entwickelt, die mich oft auf dem falschen Fuß erwischt haben. Am besten kann ich mich noch an unsere zahlreichen Doppel gegen Julia und Heiko erinnern, die immer einen Riesen-Spaß gemacht haben, da wir alles in allem auf einem sehr ausgeglichenen Niveau waren.

Astrid ist auch unheimlich gerne mit ihren Inline-Skates losgefahren, teilweise hat sie beträchtliche Strecken zurück gelegt. Ich erinnere mich (in den frühen Inline-Jahren) an die Ausflüge mit Sebastian und Julia, später an unsere Touren zu zweit von Rodenkirchen nach Sürth. Im Frühjahr 2004 sind wir zusammen mit ihrem Kollegen Wolfgang von Köln bis nach Bonn gefahren. Alles in allem war Inline-Skaten leider nie so richtig mein Sport - ich habe nämlich nie gelernt, wie man bremst. Daher ist sie auch häufig alleine, in frühen Jahren gerne auch zusammen mit Sebastian, in den letzten Jahren ab und an mit Antje losgezogen.

Auch Fahrrad ist Astrid gerne gefahren. Als sie aufgehört hat zu rauchen, hat sie sich kurz entschlossen ein Rennrad gekauft, um nicht "fett wie eine Schnecke" (O-Ton Astrid) zu werden. So richtig warm wurde sie mit diesem Rad aber nie, wahrscheinlich war es für sie schlicht eine Nummer zu groß. Seit 2000 haben wir jedes Jahr (nur 2002 Chemo-bedingt unterbrochen) zusammen mit Freunden eine 3-tägige Pfingstradtour gemacht. An diese Touren habe ich viele schöne Erinnerungen, vor allem an die schönen Abende, die wir in großer Runde verbracht haben. Ich erinnere mich außerdem an die rasante Abfahrt, die wir am ersten Tag der Nahe-Rundfahrt hatten, den fantastischen Biergarten am Niederrhein, in den wir bei unserer ersten Tour am Pfingstmontag Mittags eingefallen sind, an ein Picknick, bei dem wir abschließend die Bank zerlegt haben und auch an diverse hastige Suchen nach Unterstellmöglichkeiten bei plötzlichen Wolkenbrüchen. Neben diesen großen Radtouren haben wir häufig an Samstagen oder Sonntagen kleinere Radtouren in Köln oder im Kölner Umland gemacht. Oft sind wir zum Sürther Bootshaus oder nach Zündorf gefahren. Einmal sind wir auch mit dem Fahrrad nach Bonn und dann mit der KD gemütlich auf dem Rhein zurück gefahren.

Bilder von Radtouren:
2001 im Münsterland (links und Mitte), 2004 an der Nahe (rechtes Bild)

Seit 1998 sind wir gerne Kanu gefahren. Wir haben seitdem eigentlich jedes Jahr mindestens eine Tour gemacht. Zwei mal haben wir uns z.B. ein verlängertes Wochenende an der Edertalsperre gegönnt und sind dann jeweils ein paar Stündchen auf der Eder flussabwärts gefahren. Ich erinnere mich, dass es auf dieser Tour eine Stromschnelle gibt, bei der ungeübten Fahrern nahe gelegt wird, sie besser nicht zu fahren, also lieber das Kanu ein paar Meter am Ufer entlang zu tragen - Astrid war aber längst eine erfahrene und gute Steuerfrau und hat diese Stromschnelle bestens gemeistert. Auch in 2004 haben wir (mal ganz abgesehen vom Kanu-lastigen Urlaub an der Mecklenburger Seenplatte, s.o.) noch einmal eine schöne Kanutour gemacht, nämlich zusammen mit Freunden (Ilona & Michi und Antje & Alex) auf der Sieg.

Und schließlich fällt mir noch das Golf Spielen ein, das wir in 2003 begonnen haben. Astrids ganz große Liebe war das nie, ich glaube, es war für sie eher eine Kompromiss-Sportart, die sie mit ihrer Krankheit und den damit verbundenen Beeinträchtigungen vereinbaren konnte. Sie war gerne an der frischen Luft und hat sich bewegt, und das war mit Golf halt ganz gut möglich. Trotz dieses Kompromisses hatten wir beim Golf-Spielen einige sehr schöne Stunden. Insbesondere erinnere ich mich da an unseren Bornholm-Urlaub, während dem wir mehrfach auf der "Public-Golf"-Bahn waren. Hier hatte uns wirklich der Ehrgeiz gepackt, besser zu werden. Es war für uns das erste mal, dass wir auf einem Platz spielen durften (in Deutschland gibt es ja kaum Möglichkeiten, ohne Platzreife zu spielen, zumindest kannten wir sie damals noch nicht) und wir hatten einen Riesen-Spaß dabei.

Essen & Trinken

Essen & Trinken - ein wichtiges Thema!:
2004 in Bad Hofgastein, Nachtisch eines Festmenüs 1997, selbst gemachte Tapas auf Mallorca 1999, Hamburger Hafen 1996, Vorbereitung unserer Umzugsparty 2000, bei einem Glas Wein im Restaurant Limone in Köln 2003

Ein GANZ WICHTIGES Kapitel! Zunächst einmal: Astrid war eine begeisterte und sehr gute Köchin. In Sachen Kochen habe ich viel von Astrid gelernt, aber ihr Niveau konnte ich doch nie erreichen.

Astrid hatte eine unglaublich große Kochbuchsammlung, grob geschätzt mindestens 150 Bücher, die ganzen Zeitschriften, die sie einige Jahre auch im Abo hatte, noch gar nicht mitgerechnet. Eine Zeit lang hat sie sich fast wöchentlich ein neues Kochbuch gekauft. Sie hat es geliebt, in Buchhandlungen nach schönen Kochbüchern zu stöbern. Immer wenn wir eine größere Einladung hatten, hat sie dann Tage vorher in ihren Büchern recherchiert, was sie machen könnte. Die Wohnung war dann übersäht mit Notizzetteln, auf denen sie ihre Ideen festhielt. Am Tag der Feier selber hat sie dann gerne den ganzen Tag in der Küche gestanden und vor sich hin gebrutzelt. Am liebsten hat sie viele verschiedene Kleinigkeiten aus der Mittelmeer-Küche gemacht, Tapas u.ä. Ich habe sie heiß und innig geliebt, die gefüllten Eier, die eingelegten Gemüse (vor allem Champignons und Paprika), die Fritatas bzw. Tortillas, die Thunfisch-Empanadas, die Zigarren-Böreks, den Riesenbonen-Thunfisch-Salat und und und .....

Übrigens: Ein gutes Essen war auch der Anfang unserer Beziehung. Im Dezember 1994 hat Astrid mich und zwei Freundinnen zu einer Raki-Tafel eingeladen, der türkischen Tapas-Variante. Nach dem vielen Raki konnte ich dann natürlich nicht mehr fahren und bin die Nacht über bei Astrid geblieben .....

Ich erinnere mich auch noch, dass wir in unseren ersten Jahren gerne miteinander gewettet haben und dass der Verlierer dem Gewinner ein festliches 3- oder 4-Gänge-Menü kochen musste. Ich erinnere mich gerne an die Enten in Honigsauce, Lammfilets, Sorbets, Erdbeer-Tiramisus u.v.m., die diese Wetten zur Folge hatten.

Astrid war aber nicht nur eine prima Köchin großer Menüs, auch einfache und schnell gemachte Essen hat sie prima gekonnt. Was sie mir voraus hatte, war wohl ihre Geduld und ihre Gründlichkeit: Sie hat Gemüse und Speck viel feiner und kleiner geschnitten als ich, konnte warten, bis der Wein, mit dem abgelöscht wurde, wirklich verdampft ist und bis der Käse auf dem Gratin braun ist. Ich glaube, diese Geduld hat ihr auch beim Kampf gegen den Krebs geholfen: Auch bei Rückschlägen hat sie nie die Hoffnung verloren, dass sie noch einen Weg findet, der zur Gesundung führt.

Wir haben nicht nur oft, viel und gerne gekocht, sondern sind in all den Jahren auch gerne und viel aus essen gegangen. Zum einen waren wir häufig in Kneipen und kleinen Restaurants in der Nähe unserer Wohnung, zum anderen haben wir uns aber auch gerne mal ein richtig gutes Essen gegönnt. Wir haben z.B. jeden unserer Jahrestage (außer dem letzten - 08. Dezember 2004 -, denn da ging es ihr schon nicht mehr gut) mit einem Essen in einem guten Restaurant gefeiert, außerdem waren Geburtstage und Feiertage immer willkommene Anlässe. Manchmal haben wir aber auch gar keinen konkreten Anlass für ein Festessen gebraucht, sondern haben uns das einfach mal als Samstag-Abend-Event gegönnt. Ich glaube, dass wir in Köln fast alle sehr guten Restaurants kannten. Astrids absolutes Lieblingsrestaurant war das Moissionnier, das wir uns zwei mal gegönnt haben. Ich erinnere mich noch, wie begeistert sie von der Speisekarte war, weil dort jedes Gericht so viele und originelle Zutaten hat. Unser vorletztes richtig gutes Essen war die Feier unseres ersten Hochzeitstages (15.09.2004) in Jan's Restaurant. An diesem Abend war sie vergnügt und bei gutem Appetit. Wir haben darauf angestoßen, dass wir noch viele weitere gemeinsame Hochzeitstage erleben würden. Wir haben beide nicht geahnt, dass es so schnell bergab und zu Ende gehen könnte. Das letzte Super-Restaurant, in dem wir gemeinsam waren, war Ende September die Graugans im Hyatt-Hotel, gemeinsam mit Igor und seiner Frau - auch ein uneingeschränkt schöner Abend, völlig unbelastet und keineswegs im Zeichen der Krankheit. Ich erinnere mich noch an manch anderes gute Restaurant, das wir ausprobiert haben, z.B. das Bizim in der Weidengasse, von dem ich begeistert war (schon mal eine Créme Brulée mit Chicoree/Schokolade-Geschmack gegessen? Klingt pervers, ist aber toll!), das (mittlerweile leider geschlossene) Tapabo, in dem wir zwei Jahrestage gefeiert haben, das La Societe, in dem wir ebenfalls zwei mal waren.

In ihrem letzten Jahr hat sich Astrid intensiv mit dem Thema "gesunde Ernährung" beschäftigt. Sie hat große Hoffnungen auf Ernährungsumstellungen gesetzt und geglaubt, dass dies einer der Schlüssel zum Besiegen der Krankheit ist. Kennzeichnend für ihren Weg war die Hinwendung zur "5-Elemente-Küche", der Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin. Wenn ich das auch anfangs eher mit Skepsis gesehen habe, so fand ich das dann doch schnell auch sehr lecker. In Astrids letzten Jahr waren wir sehr oft im Restaurant "Five Seasons", das sich der 5-Elemente-Lehre verpflichtet hatte (und leider zum 31.12.2004 zu gemacht hat). Ich erinnere mich noch gut an das Festtagsmenü, das dort zum Valentinstag 2004 angeboten wurde, aber auch an die vielen "Pizza 5 Elemente", die sie dort in ihren letzten Monaten gegessen hatte (Sonntags und Mittwochs war im "Five seasons" immer Pizza-Abend). Astrid hat im "Five seasons" auch drei Kochkurse mitgemacht, einen ("Italienisch Kochen nach der 5-Elemente-Lehre") mit mir gemeinsam. Auch an diesen Abend (Kürbis-Chili-Risotto! Mangogranitee mit Maripansahne!! Nektarinensalat mit marinierten roten Zwiebeln !!!) habe ich noch lebhafte und schöne Erinnerungen.

Freunde

Ich glaube, Astrid hat nicht nur mir und ihrer Familie, sondern auch vielen anderen Menschen sehr viel bedeutet. Ein schöner Beweis hierfür war ihre Beerdigung, zu der viele Menschen kamen, auch einige, die wir etwas aus den Augen verloren hatten und die ich daher nicht erwartet hätte. Um so mehr habe ich mich über ihr Kommen gefreut.

Was ich von Astrid lernen kann: Obwohl eigentlich eher ein zurückhaltender und ruhiger Mensch, hat sie es verstanden, Freundschaften zu pflegen und neue Freundschaften aufzubauen. Sie hat sich oft mit ihren/unseren Freunden verabredet und unheimlich gerne Dinge mit ihnen unternommen, kleine Dinge (z.B. Verabredungen zu einem Café nach Feierabend) oder größere Dinge (z.B. die schon erwähnten Pfingst-Radtouren). Ich erinnere mich gerne an die gemeinsam erlebten Stunden

Auch in den Jahren ihrer Krankheit hat Astrid noch neue Freundschaften aufgebaut, allen voran die enge Freundschaft zu Eva, die ebenfalls Brustkrebs hatte und die sie während ihrer 2003er-Kur auf Föhr kennen gelernt hat. Eva war sicherlich - mehr als ich es selber je war oder sein konnte - die wichtigste Bezugsperson zu allen Themen rund um ihre Krankheit. Gemeinsam haben sie eine Reise zum Geistheiler Joao de Deus nach Brasilien geplant, auf den Astrid so viele Hoffnungen gesetzt hatte. Leider kam es nicht mehr dazu.

Ich hoffe, niemand ist beleidigt, der das hier liest und nicht namentlich aufgeführt ist. Es gab noch viele andere Freunde, die für Astrid in verschiedenen Lebensabschnitten wichtig waren, z.B. Hiltrud, Nicole oder Suse, ihre beste Freundin aus der Kindheit. Es war toll (und ich glaube für beide wichtig), dass sie wenige Tage vor Astrids Tod noch einmal einen intensiven Tag gemeinsam erlebt haben.

Die vielen Freundschaften haben Astrids Leben schön gemacht und waren ihr eine ganz wichtige Unterstützung in den Jahren ihrer Krankheit. Ich will von Astrid lernen, Freundschaften zu pflegen und mich um neue zu kümmern. Wie arm wäre ein Leben ohne gute Freunde.

Bilder von Astrid mit einigen ihrer Freunde:
2000 in Holland, 2003 während der Pfingstradtour

Und sonst?

So, das waren jetzt bis hierhin ganz schön viele Erinnerungen. Trotz aller Ausführlichkeit ist es aber nur ein kleiner Teil von all dem, was ich mit Astrid erlebt habe. Vieles passt in keines der Kapitel und es gibt auch keine Fotos davon. Es sind die vielen Kleinigkeiten, Bilder und Eindrücke, die ich gar nicht alle zusammen tragen kann, z.B. Wie soll ich sie jetzt beenden, die Erinnerungen an meine 10 Jahre mit Astrid? Mir fällt ein Gedicht (oder wohl eher ein Spruch) ein, das mir Antje aus Berlin auf ihrer Beileids-Karte geschickt hat:

Ich vermisse Dich
Und es scheint mir unmöglich,
ohne Deine Anwesenheit zu leben.
Weil ich Dich liebte,
habe ich Dich so sehr gebraucht.
Und jetzt will ich lernen,
Dich zu lieben,
ohne Dich an meiner Seite zu haben.
(René Juan Trossero)

Irgendwie wird das gehen, wenn ich auch noch nicht weiß, wie.

In meinem Herzen wird Astrid immer lebendig bleiben. Ich werde sie immer lieben.


Köln, Februar / März 2005
Michael Ashauer